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Katholiken rücken zusammen (HAZ — Stadt-Anzeiger West, 21.10.2004) PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 21. Oktober 2004 um 14:09
Die katholische Kirchengemeinde St. Augustinus in Oberricklingen wird ihre Eigenständigkeit 2006 aufgeben. Dann werden die rund 3000 Katholiken mit St.-Johannes-Bosco in Hemmingen und St. Maria in Pattensen eine Gemeinde bilden. Mit der Fusion folgen die drei Kirchen einer Vorgabe des Bistums Hildesheim. Demnach soll die Zahl der Gemeinden in der Kirchenregion Hannover angesichts der prekären Haushaltslage von derzeit 53 bis 2014 auf höchstens noch 24 verringert werden.
Den Katholiken geht es ähnlich wie den Protestanten: Ein steter Mitgliederschwund lässt die Einnahmen aus der Kirchensteuer schrumpfen. Um Kosten zu sparen, haben mehrere Gemeinden eine so genannte Seelsorgeeinheit gebildet, die beispielsweise Gottesdienste und Projekte gemeinsam organisiert und und auch die Pfarrbriefe gemeinsam verfasst. St. Augustinus ging bereits vor acht Jahren eine solche Einheit mit St.-Johannes-Bosco und St. Maria ein.
"Wir haben aber auch zu wenig Priester", sagt Pater Gerhard Heun, Leiter der Seelsorgeeinheit Ricklingen, Hemmingen und Pattensen. Weil der Nachwuchs fehlt, hat der Hildesheimer Bischof den heute 70-jährigen Heun gebeten, im Amt zu bleiben. Der Pater ist Mitglied des Salesianerordens und betreut vor allem die Hemminger und Pattenser Katholiken. Ordensbruder Ulrich Heroven ist für die Ricklinger da. Nach der Fusion soll es nur noch einen Pfarrer geben für die dann rund 6 500 Mitglieder zählende Gemeinde.
Schon im nächsten Jahr kürzt das Bistum die Zuweisungen aus Kirchensteuern an die Gemeinden um vier Prozent. Für St. Augustinus sind 2005 damit nur noch rund 38 000 Euro vorgesehen. "Und ich befürchte, dass diese Zuweisungen weiter sinken werden", sagt Pater Heroven. Seine Gemeinde schrumpfte seit 1996 um rund 300 Mitglieder. Die Zuweisungen des Bistums richten sich nach der Mitgliederzahl. Davon müssen Personalkosten und auch Heizkosten für die Kirchen bezahlt werden. Alles andere komme aus der Kollekte, sagt Pater Heroven: "Es muss gewaltig gespart werden."
Zur Diskussion stünden in den nächsten Jahren grundsätzlich alle Posten — vom Personal bis hin zu möglicherweise nicht mehr benötigten Gebäuden, sagt Pater Heun. Und auch die Gemeinden müssten sich gut überlegen, welche Projekte und Gruppen nach der Fusion erhalten oder umstrukturiert werden, erklärt Bernhard Recker, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats von St. Augustinus. Beschlüsse sind noch nicht getroffen. Eine "Fusionsgruppe" von St. Augustinus hat gerade damit begonnen, die Bedingungen mit den beiden anderen Gemeinden abzustimmen.
Die eigentliche Fusion wird mit den gemeinsamen Wahlen für Pfarrgemeinderat und Vorstand im Herbst 2006 vollzogen. Oberricklingen wird der Hauptsitz. Auf einen neuen Namen haben sich die Katholiken noch nicht geeinigt. Viel wichtiger findet Pater Heroven, den Prozess auch als Chance für eine bessere Kooperation zu sehen: "Gefragt ist jetzt das Wir-Gefühl." ms