Pfarrbrief - Newsletter
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| Ausflug des Firmkurses nach Bergen-Belsen |
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| Mittwoch, 22. September 2010 um 10:28 |
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Am Sonntag, den 19. September, kamen die Firmlinge der St. Bernward Gemeinde zu einem Treffen der besonderen Art zusammen. Um zwölf Uhr versammelten sich alle, um zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen aufzubrechen, was dann eine halbe Stunde später mit einem älteren Bus der Üstra auch geschah, welchen bereits passend die Beschreibung „Sonderfahrt“ zierte. Nachdem alle Teenies, die Katecheten, Pfarrer Pyrek und der Proviant in dem für jeden Hannoveraner schon fast nostalgisch wirkenden Bus Platz genommen hatten, konnte die einstündige Hinreise beginnen, auf der trotz des gewichtigen Charakters des Ausflugs eine lockere Stimmung herrschte. Bei der Ankunft verschwand die Heiterkeit zwar nicht völlig, doch allein die Fassade des Informationszentrum der Anlage machte mit ihrem nüchternen Grauton klar, dass man ab hier einen Ort des Nachdenkens betrat. Unsere Führerin empfing uns nach kurzem Warten und leitete damit die vierstündige Besichtigungstour durch verschiedenste Teile des Geländes ein. Zunächst konnten sich die Firmlinge mit ihrer Anleitung einen sehr guten Überblick vom KZ anhand eines Rekonstruktionsmodells verschaffen, das die enormen Maße des, wie wir hörten, überraschend vielschichtigen Komplexes aufzeigte. So wurde das Gebiet unter der Leitung der SS ursprünglich als Inhaftierungsstelle für zum Gefangenenaustausch gedachte Personen, später dann als Internierungslager für politische Feinde, Nicht-Arier wie Juden, Sinti oder Roma und besonders sowjetische Kriegshäftlinge genutzt. Mit dem Fortschreiten des Krieges wurden die ohnehin katastrophalen Bedingungen für die Insassen immer schlimmer und die SS praktizierte hier im Gegensatz zu vielen anderen KZs eine neue Perversion des Mordens, indem sie die Gefangenen systematisch und organisiert vernachlässigte. Sie wurden ohne Nahrung, Wasser, medizinische Versorgung und kaum vorstellbaren Lebensumständen Hunger, Durst, Krankheit und der Hoffnungslosigkeit überlassen. Einzelne Filmsequenzen, welche von den Befreiern des Lagers, den Briten, bei ihrer Ankunft aufgezeichnet wurden, führten uns die nur schwer in Worte zu fassende, abgrundtiefe Grausamkeit und den unter die Haut gehenden Schrecken der stattgefundenen Geschehnisse von vor rund 70 Jahren eindringlich vor Augen. Es folgte eine Besichtigung eines nachgebauten Deportationswaggons, welcher von uns auch ganz betreten wurde, um die hier ebenfalls schrecklichen Bedingungen der Insassen ansatzweise nachzuvollziehen. Im Boden eingelassene, den Platz eines Gefangenen markierende Quadrate machten die erdrückende Enge in dem dunklen, ohne jeden hygienischen Komfort ausgestatteten Raum deutlich. Darauf schritten sie die ursprüngliche Hauptstraße des Lagers ausgehend von der sogenannten Entlausung ab, in der alle Häftlinge äußerst notdürftig vom gröbsten Ungeziefer befreit und in ihr Leben in Verzweiflung eingeführt wurden. Alle folgenden Stationen des Geländes, zu denen die Firmlinge immer eine ausführliche Erläuterung durch unsere Führung bekamen, waren wie die Entlausung im besten Fall noch in ihren Grundfesten erhalten, da die Briten aus Angst vor Seuchen bei ihrer Ankunft vieles schlichtweg abgebrannt haben. Dies ließ auf der einen Seite die Bildhaftigkeit des Ortes trotz der Erklärungen ein wenig verblassen. Auf der anderen Seite unterstrichen die vielen Massengräber, welche den gesamten Weg zurück zum Informationszentrum säumten, die Bedeutung Bergen-Belsens, der die Jugendlichen mit der Niederlegung von Blumen gewahr zu werden versuchten. Der Besuch fand an der Gedenkstätte sein Ende, als die jungen Leute im Zentrum diverse aufgezeichnete Interviews von Zeitzeugen sowie etliche Dokumente und Fundstücke sahen, welche großes Interesse weckte und im Zusammenspiel mit der wirklich freundlichen und guten Führung ein sehr informatives, eindrückliches Bild von diesem Ort zeichnete. zum Abschluss fuhren sie noch für eine kurze Andacht in die Kirche Bergens, deren Pfarrer unsere Firmlinge freundlicherweise schon die Führung über begleitet hatte. In ein paar Minuten der Stille konnten sie noch einmal das Gesehene Revue passieren lassen. Trotz langer Besichtigung und Reflektion über diese schwere Materie war die Gruppe immer noch gut drauf, wobei die kleine Stärkung, ausgeteilt von unseren guten Katecheten und bestehend aus Brötchen, Würstchen und Süßigkeiten, ihren Anteil daran hatte. Die Rückfahrt hatte zudem etwas, in bestimmter Weise Besinnliches, kam man doch nach diesem gedanklich zwar dunklen, aber auch abgeschlossenen und verarbeiteten Thema durch entspanntere Themen mehr ins Gespräch, was unmerklich zu einer lockeren Atmosphäre beitrug. In diesem Sinne war es ein ganz und gar geistlich- nützlicher Exkurs, der auf eben einmal ganz andere Art christlich gewesen ist. |




